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Tai Chi (eigentlich abgekürzt: T’ai-Chi-Ch’uan, auch: Taijiquan) ist in eine alte chinesische Kampfkunst, was im Westen weitgehend unbekannt ist. Hier wird Tai Chi in erster Linie zur Gesundheitsförderung und als Meditationsform praktiziert. Eine seltenere und irreführende Bezeichnung für Tai Chi ist chinesisches Schattenboxen.

Charakteristisch für Tai Chi sind die langsam fließenden Bewegungen der Übenden, die meist im Freien durchgeführt werden - allein, in der Gruppe oder mit einem Partner. Den Eindruck, den Tai Chi auf den Betrachter und den Übenden macht, ist am ehesten beschreiben mit: Ruhe in der Bewegung und zugleich Bewegung in der Ruhe.

Die Tai-Chi-Bewegungen sind Formen mit festgelegte Abläufen (Bildern). Es gibt eine Vielzahl dieser Formen, wie die sehr bekannte 24-Bilder-Form (Pekingform). Diese Formen können bis zu hundert Bildern umfassen, ihre Ausführung von wenigen Minuten bis zu über einer Stunde dauern. Tai Chi wird häufig auch als Meditation in der Bewegung empfunden.

In China zählt Tai Chi als innere Kampfkunst zu den weichen Kampfkünsten (Wushu). Es kann waffenlos trainiert werden oder mit Waffen. Hier reicht die Bandbreite vom einfachen Schwert/Säbel, Doppelschwert/-säbel, Fächer, Stock bis hin zur Hellebarde.

Das Wirkungsspektrum von Tai Chi ist groß: es umfasst Gesundheitspflege, Selbstverteidigung, Selbstbeherrschung und spirituelle Entwicklung. Das meditative Ziel von Tai Chi ist die Erfahrung des Qi (auch Chi oder Japanisch: Ki). Qi ist die zentrale Vorstellung im Daoismus (auch: Taoismus). Der Daoismus bildet zusammen mit dem Buddhismus und dem Konfuzianismus die drei großen geistigen Strömungen, die China geprägt haben.

Qi ist die alles durchdringende Energie. Sie ist im Kosmos und im Menschen, im Lebendigen und in der Materie. Es ist, das Eine, in dem Yin und Yang noch ungetrennt vereint sind, die Ursubstanz, aus der das Universum hervorging, und es ist im Universum. Qi ist am ehesten vergleichbar mit dem indischen Prana und dem griechischen Pneuma.

In jedem Menschen findet sich das Qi, aufgespalten in Yin und Yang, weibliche und männliche Kräfte. Ist das Verhältnis von Yin und Yang gestört, dann kommt der Qi-Fluss ins Stocken. Die Folgen sind persönlicher Stillstand, Krankheit oder Fehlentwicklungen. Tai Chi überwindet diese Störung und stellt die ursprüngliche Balance wieder her. Die regelmäßige Praxis von Tai Chi führt zur Stärkung und Harmonisierung des Qi, sie sorgt dafür, dass das Qi im natürlichen Fluss bleibt.

Der Meditierende erlangt durch die Tai-Chi-Praxis körperliche Gesundheit und einen reinen Geist. Gelassenheit, Ruhe und Spontanität spiegeln ein harmonisiertes Qi wieder und entsprechen dem Idealbild des daoistischen Weisen, das der daoistische Weise Whang Zhe (1113-1171) so beschieben hat: „Ist der Geist immer ruhig und klar, dunkel und still, sieht er nichts, ist er ungeteilt, gibt es weder innen noch außen, existiert in ihm keine Spur eines Gedankens, dann spricht man vom stillen Geist…“

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